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Spezielle Physiotherapien

Die Vielfältigkeit der Friedreich´schen Ataxie wird wieder einmal dadurch bewießen, dass es kein Therapierezept gibt. Es erfordert die individuelle Abstimmung auf den Patienten und auch auf das Stadium in dem er sich gerade befindet.

Das oberste Ziel ist die Erhaltung der Selbstständigkeit. Das heißt, alle Transfers und Lagewechsel, sowie die Verbesserung der Greiffunktion stehen im Vordergrund. Das Hauptaugenmerk liegt in der Verbesserung und dem Erlangen von Sicherheit. Im Bezug auf die angewandten Techniken kann man sich auf keine festlegen. Manche Techniken nehmen viel Zeit in Anspruch um wirklich daraus profitieren zu können und andere führen wiederum schneller zum Erfolg.

Ein wichtiger Punkt in der Therapie mit FA-Patienten ist die geistige Betreuung. Die Wünsche und Bedürfnisse von Patienten mit einzubeziehen und auch das Feedback über jede Technik zu berücksichtigen ist wichtig. Ein FA-Patient ist entscheidungsfähig und sollte seine Therapie mitbestimmen können.

Zu den Techniken:

Die Bobath Therapie ist für FA-Patienten sehr anstrengend. Vor allem die Arbeit am Rumpf bereitet Schwierigkeiten. Es erfordert auch viel Zeit, um gute Ergebnisse zu bekommen. Wahrscheinlich ist es auch die Ungeduld, die diese Therapie etwas behindert. Vom Grundgedanken her ist das Bobath Konzept jedoch zielführend.

Die propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation - PNF ist für FA-Patienten sehr zufrieden stellend. Das Erlernen der Muster dauert nicht allzu lange und der Patient hat Freude an der Bewegung. Er erkennt darin seine nach wie vor gute Beweglichkeit der Arme und fühlt sich auch kräftig. Die ataktischen Bewegungen werden durch den dosierten Widerstand stark reduziert. Unter der Nutzung der Irradiation ist es auch gut möglich, über ein Beinmuster zu arbeiten und dadurch gute Spannung in der oberen Extremität zu erhalten. Auch das Drehen auf der Matte ist funktioneller und die Muskulatur wird qualitativ besser aktiviert. Für den Patienten ist diese Technik subjektiv die Beste. Auch für den Therapeuten ist PNF sehr zufrieden stellend.

Die funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach - FBL ist für FA-Patienten nicht sehr schwierig zu erlernen. Der Kompromiss liegt darin, größere Ausweichbewegungen zu akzeptieren, sowie Ausgangsstellungen anzupassen. Der Patient wird geschult, achsengerechte Bewegungen so gut wie nur möglich auszuführen. Eine intensive propriozeptive Verbesserung ist eines der Hauptziele in der FBL. Nach mehreren Wiederholungen verbessert sich zusehends die aktive Bewegung unter optischer Kontrolle des Patienten. Ohne diese würde der gewünschte Erfolg erst viel später eintreten. Die FBL stellt eine vernünftige Alternative zu den anderen typisch neurologischen Konzepten dar.

Zusammenfassend muss man sagen, dass es eigentlich nicht so wichtig ist, welche Technik man verwendet. Aspekte wie Beweglichkeit, Tiefen- und Oberflächensensibilität, Selbstständigkeit und funktionelle Bewegungen müssen immer berücksichtigt werden. Das Ziel, die Funktion der oberen Extremität zu verbessern, sollte verfolgt werden und immer vor Augen gehalten werden. Die Therapie soll dem Patienten Spaß machen und er soll körperlich und geistig davon profitieren. Dann wird auch jede andere Technik zum gewünschten Ziel führen.

fataxie/pt_speziell.txt · Zuletzt geändert: 2014/03/20 19:42 von Bernhard