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Der Lokomat

„Wer gehen lernen will, muss gehen!“

Das Gehen ist aus physiologischer Sicht eine höchst komplexe Angelegenheit. Der gesamte Körper soll in abgestimmter Manier eine abgerundete Bewegung steuern. Gerade für Ataxie Patienten ist das schwierig, da die Koordination vollständig als auch die Muskelkraft teilweise fehlt.

Um dennoch Patienten mit einer Gehbehinderung das Gehen wieder zu lernen, waren früher mindestens 2 Therapeuten notwendig, die mit viel Anstrengung, die Beine des Patienten auf einem Laufband positionieren und bewegen.

Heute gibt es den LOKOMAT! Der Patient wird über einem Laufband mit einem Gurt befestigt so daß er sein eigenes Körpergewicht nicht trägt. Die Beine sind an den Füßen, den Waden, den Knien und den Oberschenkeln in einem Computer-unterstütztem Gerät befestigt, das an den Hüften ansetzt. Der Computer startet eine Gehbewegung ohne Mitwirken des Patienten und ohne dass der Patient mit den Füßen das Laufband berührt. Vorsichtig wird der Patient im Gurt auf dem Laufband aufgesetzt ohne dass die Gehbewegung gestoppt wird. Doch nach wie vor trägt er nicht sein Körpergewicht. Während der Therapie soll der Patient die Bewegungen des Computers „mitmachen“ bzw. versuchen die Bewegung selbstständig auszuführen. Im Lauf der gesamten Therapie, also nach mehreren Einheiten, wir das zu tragende Gewicht gesteigert und die Computerunterstützung reduziert. Der Patient wird also auf langsame und effektive Art auf die Bewegungsabläufe des Gehens vorbereitet und diese Bewegungsabläufe sind im Kopf bevor sie umgesetzt werden.

Persönliche Erfahrungen:

Ich, Maria Sobotka, hatte während meiner Reha in Judendorf-Strassengel die Möglichkeit auf einem Lokomat zu trainieren. Ich spreche absichtlich von einer Möglichkeit, da es absolut nicht üblich ist, dass eine Reha-Anstalt dieses Gerät zur Verfügung hat. Zuerst war ich doch etwas skeptisch, was für einen Nutzen das haben soll; ich kann ja irgendwie gehen. Aber ich wurde positiv überrascht. Nachdem alle Manschetten mehr als fest zugezogen waren hing ich, hilflos wie ein Fisch im Netz, in der Luft ohne Kontrolle über meinen Körper zu haben. Das Gefühl ist man als FA-Patient zwar gewöhnt aber es war doch etwas anders. Das Gerät begann sich zu Bewegen und los ging meine erste Therapieeinheit mit dem Lokomat. Anfangs war ich sehr beschäftigt mit Fragen wie: Was soll ich bzw. soll ich nicht machen? Oder, was darf bzw. darf ich nicht machen. All diese Gedanken lösten sich in Luft auf, als ich fühlte, dass ich zum 1. Mal seit Jahren wieder gerade und ohne zu torkeln ging! Noch dazu mußte ich nicht an alle notwendigen Bewegungen denken. Das ging alles von alleine (naja, der Computer hats gemacht). Nichts desto trotz ist das Training auf dem Lokomat schweißtreibend, da man im Idealfall so viel wie möglich selber machen sollte. Im Klartext heißt das, die Bewegungen mit eigener Kraft mit Führung des Computers durchzuführen. Es ist wenig sinnvoll dem Lokomat die gesamte Arbeit zu überlassen, ohne selbst aktiv zu sein. Persönlicher Vorteil: Ich denke nicht, dass man gehen aus dem Buch lernen kann sondern das „learning by doing“-Prinzip bringt die essentiellen Fortschritte. Der Lokomat läßt einen spüren, wie sich richtiges Gehen anfühlt und wie es zu funktionieren hat. Man hat die Gelegenheit, dieses Gefühl zu verinnerlichen und dann kann man es auch abrufen. Das soll nicht heißen, dass mir der Lokomat innerhalb einiger Wochen wieder beigebracht hat ohne Hilfe zu gehen, aber die Bewegungsabläufe sind mir geläufiger und bekannter als vorher. Abgesehen von dem physiologischen Nutzen war das Gefühl richtig und gerade zu gehen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, einfach umwerfend und phantasstisch.

Als FAler kann ich das Training mit dem Lokomat an jeden anderen FAler nur weiterempfehlen!

fataxie/lokomat.txt · Zuletzt geändert: 2014/03/20 19:44 von Bernhard