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Epigenetik

Es war der 26.Juni 2000 als der damalige US-Präsident Bill Clinton im Weißen Haus, flankiert von zwei namhaften Forschern, den vorzeitigen Abschluss (vollständig abgeschlossen war es erst im Jahre 2003) des Jahrzehnte dauernden Kraftaktes namens „Human Genom Project“ den Anwesenden und der gesamten Welt, die via Satellit live zugeschalten waren, präsentierte. Er begann mit den Worten:„Ich möchte Ihnen heute eine Landkarte präsentieren…“, und zwar genau in demselben Raum, in dem einer seiner Vorgänger Thomas Jefferson 200 Jahre davor die erste Landkarte Amerikas präsentierte. Er nannte diese Landkarte auch das Buch des Lebens. Es handelte sich um den vollständig übersetzten Gen-Code des Menschen. Die ganze Welt war in Aufruhr. Alle waren der Meinung mit diesem „Buch des Lebens“ nun alles Notwendige über den menschlichen Körper zu wissen, und mit diesem Wissen Krankheiten heilen zu können, ebenso wie die natürlichen Funktion des menschlichen Körpers zu verbessern.

Einige Jahre später wurde den Forschern bewusst, dass ihnen die Übersetzung des Gen-Codes nicht viel bringt und die damaligen Versprechungen nur bedingt eingehalten werden konnten. Man kann nun sagen, man kannte noch nicht das ganze Buch sondern nur das erste Kapitel (oder gar nur den Glossar). Seit Jahrzehnten keimte deshalb auch die Theorie, dass der Gen-Code noch nicht alles ist.

Metaphorisch könnte man sich den gesamten menschlichen Organismus wie einen Computer vorstellen. Stellen wir uns nun den Gen-Code als die Hardware dieses Computers vor. Keine Hardware kann ohne eine gute Software arbeiten. Die Software in diesem Fall nennt man Epigenome. Diese Software ist in Histonen der DNA gespeichert. Histone sind Proteine, um die sich die DNA winden kann. Dies dient dem Verpacken und der Genregulation. Diese DNA Programme „sagen“ dem Körper wie er mit dem vorhandenen Gencode, also der Hardware, umgehen soll oder genauer gesagt, welche Proteine produziert werden sollen und welche nicht. Diese Programme sind, wie der Name schon sagt, programmierbar und werden beeinflusst von allen Arten von Umwelteinflüssen, unserem Bewusstsein, dem Lebensstil, der Erziehung bis hin zu Erlebnissen im Mutterleib und noch vielem mehr. Dies soll nun aber nicht so verstanden werden, dass der entschlüsselte Gen-Code und damit die ganze Genetik nicht stimmen und deshalb verworfen werden sollte. Denn ohne entsprechende Hardware kann auch keine Software existieren.

Die Programmierung erfolgt grundlegend über sogenannte „epigenetische Schalter“. Ein Schalter ist natürlich nur als Symbol zu verstehen, wir haben in der DNA wohl kaum 40.000 Lichtschalter eingebaut, also was versteht man genau unter dem Begriff epigenetischer Schalter?

Es geht um Substanzen namens DNA Methyltransferasen, kurz DNMTs genannt. Diese DNMTs sind sogenannte Enzyme und bauen kleine Riegel (Moleküle) in die DNA ein. Diese Moleküle sind Methylgruppen, also chemisch sehr einfache Strukturen bestehend aus einem Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatomen. Diese Methylgruppen „docken“ an die Base Cytosin an damit die Proteine, welche den genetischen Code abschließen, nicht mehr an die Doppelhelix andocken können. Das entsprechende Gen ist somit deaktiviert. Der menschliche Körper verfügt über viele Arten von DNMTs, die auf beliebig verschiedene Arten gesteuert, also „methyliert“ werden. Diese Enzyme bilden so für jede einzelne Zelle ein Regulierungsmuster, oft Genaktivitätsmuster genannt. Diese Genaktivitätsmuster können wiederum, wie anfangs erwähnt, von Umwelteinflüssen, Lebensstil usw. entsprechend „umprogrammiert“ werden.

Dieser kurze Ausflug in die Biochemie soll nur zeigen, dass das ganze Gerede (New Age Palaver, Anm. des Autors) um Bewusstseinskontrolle, Lebensstil und so weiter keine Scharlatanerie ist, sondern dass dadurch wirklich biochemische Prozesse im Körper ablaufen. Die Epigenetik hat sich erst in den letzten Jahren zu einem anerkannten Forschungszweig entwickelt und steckt deshalb immer noch in den Kinderschuhen.

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fataxie/epigentik.txt · Zuletzt geändert: 2014/04/07 08:43 von rodu